Checkheft-Pflege
Ich hatte mal einen Neuwagen. Das Auto war schön, lief wie ein Uhrwerk. Ich liebte dieses Fahrzeug. Immer bin ich pünktlich zu allen Durchsichten gegangen. Jeder Check wurde per Checkheft sorgsam erledigt. Das war ja auch ein Zwang des Autohauses aufgrund der Garantie. Aber ich machte diese Checkheft-Pflege für dieses Auto sehr gern. Denn wie erwähnt, es war mein Traumauto und so verlässlich. Noch heute schwärme ich für meinen schneeweißen Daewoo Nexia.
Dann kam der Tag der letzten vorgeschriebenen Durchsicht. Ich brachte meinen Superflitzer wie gewohnt in die Vertragswerkstatt. War guter Dinge, denn es gab überhaupt nichts, was hätte schief gehen können. Aber das tat es. Als ich mein Auto abholte, war es ein ganz anderer Wagen! Natürlich war es immer noch mein Nexia, aber das Auto verhielt sich plötzlich anders. Irgendwie stotterte es. Kaum spürbar, aber für mich überdeutlich, vibrierte das Lenkrad. So als ob mein geliebtes Auto plötzlich "Herzrhythmusstörungen" hätte.
Ich sagte dem Automechaniker sofort Bescheid, dass da was nicht stimmen
kann. Aber wie man sich denken kann, hörte ich nur "wieso,
ist doch alles in Ordnung". Und "ich merke kein stottern".
Immer wieder versuchte ich dem Menschen zu verdeutlichen, dass das nicht
ok ist und legte immer wieder seine Hand auf das Lenkrad mit den Worten
"merken Sie das denn nicht?" und "da ist doch irgendwas
unrund". Wie kamen nicht weiter. Also fuhr ich erst mal nach Hause.
Dann kam das nächste Ei: mein sonst so zuverlässiges Auto ging mir in einer Kurve plötzlich aus. Achherje, hab ich einen Schreck bekommen! Dieser Wagen, der mich noch nie zuvor im Stich gelassen hat, dieser Motor, der immer geschnurrt hat wie ein Kätzchen. Und ausgerechnet nach einer Checkheft-Durchsicht der Vertragswerkstatt. Hallo, wollen die mich verarschen? Also wieder hin zu dem netten Autohaus. Alles noch mal erzählt, dazu diese komische, neue Macke beschrieben. Nun holte der Automechaniker ein chices Analysegerät heraus und überprüfte die Elektrik. Na wenigstens etwas, dachte ich. Aber natürlich, wie konnte es auch anders sein, war alles bingo bongo mit meinem Auto. Das Stottern war immer noch da, man winkte ab, und nun wollte ich mit dem Chef des Autohauses sprechen.
Der Chef wimmelte mich genauso ab, wie seine Mechaniker. Laut seinem Werkstattbericht wäre alles in Ordnung, er merke und höre keine Unregelmäßigkeiten und die Elektrik des Fahrzeuges wäre ja nun auch geprüft worden... Also ehrlich, ich habe mich so elend gefühlt. Ich wusste, dass die Werkstatt irgendwas mit meinem Auto verbockt hat und konnte nichts dagegen tun. Ich fuhr unverrichteter Dinge heim. Warum das Autohaus meinen schönen Wagen versaut hat weiß ich nicht. Aus Versehen vielleicht? Oder doch in der Absicht, dass ich von nun an auch immer schön regelmäßig die Dienste der Werkstatt in Anspruch nehmen soll (da ja nun keine Checkheft-Pflicht mehr bestand)...?
Da hatten die aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Ab diesem Tage
brachte ich mein Auto bei Bedarf in eine freie Werkstatt. Der Wagen
war aber nie mehr der alte, und über kurz oder lang trennte ich
mich schweren Herzens von meinem Traumauto.
